Wohnungslosigkeit ernst nehmen – Daten endlich erfassen
Zur Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage der Linksfraktion „Obdach- und Wohnungslosigkeit von Kindern und Jugendlichen in M-V“ (Drs. 7/874) erklärt die kinder-, jugend- und familienpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Jacqueline Bernhardt:
„Die Antwort macht einmal mehr deutlich, dass die Landesregierung nicht willens oder in der Lage ist, sich mit der Situation von armen und armutsgefährdeten Kinder und Jugendlichen auseinanderzusetzen.
Ende 2016 waren nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe in Deutschland unter den rund 335 000 Menschen fast 30 000 Kinder und Jugendliche. Auch in M-V sind Männer und Frauen, Kinder und Jugendliche wohnungslos. Ursache dafür ist maßgeblich die verfestigte Armut in Folge niedriger Einkommen, der Ausweitung atypischer Beschäftigung sowie unzureichender ALG-II-Leistungen.
Wie aus der Antwort der Landesregierung hervorgeht, haben weder Bund noch Land die Menschen und ihre oft verzweifelte Lage im Blick. Auf beiden Ebenen gibt es nicht einmal Erhebungen, wie viele Menschen wohnungslos sind. Damit werden die Männer und Frauen, Kinder und Jugendliche, die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind, allein gelassen. Meine Fraktion fordert die Landesregierung auf, die Augen nicht länger vor den Problemen der Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu verschließen. Sie muss sich sowohl auf Bundesebene als auch hier im Land dafür stark zu machen, dass die von Wohnungslosigkeit betroffenen Erwachsenen, Kinder und Jugendlichen endlich beachtet werden und ihnen geholfen wird.
Ein erster Schritt muss endlich eine eigene Berichterstattung zur Wohnungslosigkeit in M-V sein. Darin muss u.a. erfasst werden, wie viele Menschen wo und aus welchen Gründen betroffen sind und wo sie derzeit unterkommen. Nur auf dieser Grundlage können wirksame Schritte unternommen werden, den betroffenen Menschen gezielt zu helfen, u.a. auch durch soziale Wohnraumförderung des Landes.“
