Alarmstufe rot – Armut von Alleinerziehenden steigt weiter an
Zur Antwort der Landesregierung auf ihre Kleine Anfrage „Armutsrisiko von Alleinerziehenden-Familien und Paarfamilien mit Kind(ern)“(Drs. 7/1694) erklärt die kinder-, jugend- und familienpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Jacqueline Bernhardt:
„Die Armut in M-V ist im Bundesvergleich nicht nur überdurchschnittlich hoch, sondern bei der besonders gefährdeten Gruppe der Alleinerziehenden sogar weiter angestiegen. Lag die Armutsgefährdungsquote bei Familien mit einem Erwachsenen und mindestens einem Kind im Jahr 2015 bei 50,7, waren es im Jahr 2016 bereits 56,5 Prozent. Trotz dieser alarmierenden Entwicklung sieht die Landesregierung keinen Anlass zu handeln. In ihrer Antwort verweist sie auf vergleichbare Anfragen meiner Fraktion und Antworten, die teilweise bis zu sechs Jahre zurückliegen. SPD und CDU verschließen die Augen vor der dramatischen Realität und weilen in der Vergangenheit.
Von den 62 700 alleinerziehenden Familien in M-V sind weit mehr als die Hälfte von Armut bedroht oder betroffen. Das ist ein Armutszeugnis für die Landesregierung, die der katastrophalen Entwicklung nichts entgegensetzt. Die Fraktionen von SPD und CDU verschleppen seit Monaten eine Beschlussfassung und somit ein Tätigwerden zur Beseitigung von Armut in M-V – obwohl die Ergebnisse der im November 2017 stattgefundenen Armutsanhörung eindeutig sind. Armut ist keine Frage von Interpretationen, sie ist Realität.
Es herrscht Alarmstufe rot – die Landesregierung muss umgehend umsteuern. Wir fordern, eine kontinuierliche Armuts- und Sozialberichterstattung für M-V einzuführen und ein umfassendes und wirksames Maßnahmenpaket gegen die Armut von Familien, Kindern und Jugendlichen zu schnüren und fortzuentwickeln. Eine eigenständige Kindergrundsicherung, gute Arbeit und gute Löhne, Lohngleichheit von Frauen und Männern, Vereinbarkeit von Privat- und Erwerbsleben, kostenlose Kita und eine gezielte Unterstützung von Alleinerziehenden sind dringend erforderliche Maßnahmen, um Armut einzudämmen und Kinder in ihrer chancengleichen Entwicklung zu fördern.“
